Gerechtfertigte Vorwürfe zur geplanten Schulfusion

Mit viel Herzblut und Engagement hat sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Dagmar Nöh-Schüren, zu Wort gemeldet und gekämpft. Dass uns hier ein ungleicher Kampf erwarten würde, war nicht wirklich eine Überraschung. Dass jedoch die Fronten zwischen den Grünen und den anderen Fraktionen emotional so verhärten würden, war nicht unbedingt vorhersehbar. CDU, FDP und SPD straften uns Grüne sogleich unmittelbar nach der Wahl „demokratisch“ ab. Elf statt neun Ausschusssitze hätten zum einen das Wahlergebnis gerecht widergespiegelt und zum anderen die Ausschussmehrheiten etwas grüner färben können.

Insofern treffen uns die Vorwürfe von Anne Hülß in besonderem Maß. Unser Engagement wurde demnach nicht wahrgenommen, denn Frau Hülß fühlte sich gänzlich von der Politik allein gelassen, nicht ernst genommen und gar nicht vertreten. Wer will es den Bürgern verdenken, wenn sie uns Grüne bei diesen Mehrheitsverhältnissen übersehen? Tatsächlich aber sind auch wir sehr enttäuscht, hier nicht mehr erreicht zu haben. 

Warum aber ist die Meinungsbildung in Bezug auf die Schulfusion so ambivalent? Provokant würde die Antwort lauten: „Wie soll es zu einer einvernehmlichen Lösung kommen, wenn bereits der Generationskonflikt in dreifacher Hinsicht zuschlägt?“ Fast alle Gemeindevertreter könnten mindestens Oma und Opa der betroffenen Schüler sein. Das erschwert die Entscheidungsfindung allemal. Vielmehr muss man wohl festhalten, dass der gewöhnliche Kommunalpolitiker im Rentenalter nicht unbedingt Spezialist in Sachen Schule und Jugend sein muss, sprich seine Ahnungslosigkeit diesbezüglich auf dem Höchstpunkt angekommen sein dürfte. Selbst die alltäglichen Probleme, die die Eltern der Schüler ständig bewältigen müssen, liegen wahrscheinlich gefühlte hundert Jahre zurück.

Fassen wir also zusammen: Der entscheidungsbefugte Kommunalpolitiker täte gut daran, sich einzugestehen, dass er in Schulfragen auf das Wort von Spezialisten vertrauen sollte. Der Dissenz wäre deutlich geringer, wenn er die Antworten auf schulinhaltliche Fragen entsprechenden Experten und auch den Lehrern, Eltern und Schülern überlassen würde. Auch sollte er nur den gemeindlich strukturellen Anteil steuern und dabei die Hinweise der kompetenten Fachleute signifikant berücksichtigen.

Hier sei noch einmal explizit betont, dass uns der Leserbrief von Anne Hülß sehr betroffen gemacht hat. Mit einer solch’ beschriebenen Ohnmacht und Enttäuschung muss man erst einmal klar kommen können.

Bei allem Frust in der Sache sei aber auch einmal der Nichtwähler kritisiert. Hallo Nichtwähler – Sie alle sind Teil der Demokratie, treten diese aber mit Füßen und mindern ihre Wertigkeit, wenn sie nicht wählen. Und bei allem Verständnis für den Verdruss, die Enttäuschung über Politik oder einzelne Politiker, für das Nichtverständnis bei bestimmten komplexen politischen Zusammenhängen – all das ist kein guter Grund, zu resignieren und sich nicht zu beteiligen! Und auch wenn es viele nicht glauben; nach und nach zerstört Nichtbeteiligung die Demokratie. Für unsere Gemeindewahlen ist es nun zu spät. Politik lebt vom Mitmachen und wenn Sie nicht ausschließlich durch einen Ältestenrat gelenkt werden wollen, … „denn man to“!

Andreas Endler

Als gebürtiger Mecklenburger lebe ich seit 2008 in Malente und genieße das Leben hier im Herzen der Holsteinischen Schweiz. Von Beruf bin ich Softwareentwickler. 2013 habe ich mein Interesse für Kommunalpolitik entdeckt. Nachhaltigkeit und Finanzierbarkeit von Entscheidungen sind mir sehr wichtig.

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